Wie wird man Fußball Scout?

Samstagnachmittag irgendwo auf einem Fußballplatz – für uns ist es meistens das Heinz-Steyer-Stadion in Dresden. Während die meisten Zuschauer auf Tore, Fouls und das Ergebnis schauen, sitzt am Rand jemand mit Laptop oder Notizblock und beobachtet vielleicht seit 20 Minuten nur den Sechser oder die Sechserin.
Wie bewegt er oder sie sich, wenn er oder sie den Ball nicht hat? Wie schnell erkennt er oder sie freie Räume? Was macht er oder sie unter Druck? Wie reagiert er oder sie nach einem Ballverlust?
Willkommen im Fußball-Scouting.
Für viele Fußballfans klingt der Job ziemlich genial: Spiele schauen, Talente entdecken und vielleicht irgendwann den nächsten großen Spieler oder die nächste große Spielerin finden, bevor ihn oder sie alle anderen kennen. Aber wie wird man eigentlich Fußball Scout?
Was macht ein Fußball Scout überhaupt?
Die kurze Antwort: Spieler und Spielerinnen finden und bewerten.
Die längere Antwort ist etwas spannender.
Ein Scout schaut nicht einfach ein Spiel und entscheidet danach: „Der Typ ist gut.“ Ein Scout versucht herauszufinden, ob ein Spieler oder eine Spielerin zu einem bestimmten Verein, Spielsystem oder Kaderprofil passt – oder anders gesagt: Hat der Spieler oder die Spielerin eine passende Persönlichkeit und bringt die erforderliche Leistung?
Dabei geht es natürlich um Dinge wie Technik, Schnelligkeit und Zweikampfverhalten. Gute Scouts achten aber genauso darauf, wie sich ein Spieler oder eine Spielerin ohne Ball bewegt, welche Entscheidungen er oder sie trifft und wie konstant die Leistung ist.
Gerade im Nachwuchs kommt noch eine schwierigere Frage dazu:
Wie gut kann dieser Spieler oder diese Spielerin in zwei, drei oder fünf Jahren werden?
Dass Talentidentifikation ein eigener Fachbereich ist, sieht man auch beim DFB. In der Talentförderung werden unter anderem technische, taktische, koordinative und konditionelle Eigenschaften betrachtet.
Wer selbst einmal anfangen möchte, Spieler und Spielerinnen genauer unter die Lupe 🔍 zu nehmen, kann sich auf scoutsland.live Spielerprofile und Leistungsdaten anschauen. So bekommst du ein Gefühl dafür, welche Statistiken bei unterschiedlichen Positionen überhaupt interessant sind.
Braucht man eine Ausbildung, um Fußball Scout zu werden?
Das ist wahrscheinlich eine der häufigsten Fragen.
Die gute Nachricht: Es gibt nicht den einen vorgeschriebenen Weg zum Fußball Scout.
Du musst also nicht zwingend selbst Profi gewesen sein.
Was du allerdings brauchst, ist Fußballverständnis – und das sollte deutlich über „Ich schaue jedes Wochenende Bundesliga“ hinausgehen. Dich sollten die Leistungsdaten und das Gesamtbild des Spieles interessieren.
Du solltest verstehen, welche Aufgaben unterschiedliche Positionen haben, wie Spielsysteme funktionieren und warum ein Spieler oder eine Spielerin in Mannschaft A überragend aussehen kann, aber überhaupt nicht zu Mannschaft B passt.
Es gibt mittlerweile auch spezielle Weiterbildungen. Das IST-Studieninstitut bietet zum Beispiel eine Weiterbildung zu Spielanalyse und Scouting an. Im Lehrplan stehen unter anderem Talentidentifikation, Spielerbewertungen, Sichtungskriterien, Daten-Scouting und Kaderplanung.
So etwas kann helfen.
Es ersetzt aber nicht die Praxis.
Wie fängt man am besten an?
Eigentlich ziemlich simpel:
Fang an zu scouten.
Du brauchst dafür keinen Auftrag von Borussia Dortmund oder Bayern München.
Such dir ein Spiel aus und konzentriere dich auf einen einzigen Spieler oder eine einzige Spielerin. Schau dir nicht nur die Highlights an, sondern möglichst das komplette Spiel.
Notiere dir zum Beispiel:
- Verhalten mit und ohne Ball
- technische Qualität
- Entscheidungsfindung
- Positionierung
- Zweikampfverhalten
- Tempo und Dynamik
- Stärken und Schwächen
- mögliche Entwicklung
Am Ende schreibst du daraus einen kurzen Scouting Report.
Wenn du das direkt ausprobieren möchtest, kannst du auf scoutsland-live nach Spielern und Spielerinnen suchen, ihre Statistiken analysieren und auf Basis deiner Beobachtungen einen eigenen Scouting Report mit einer kostenfreien Testversion erstellen. Und schon hast du deinen ersten Report geschrieben!
Das ist eine ziemlich gute Übung, weil du deine persönliche Einschätzung anschließend mit den tatsächlichen Leistungsdaten des Spielers oder der Spielerin abgleichen kannst.
Und dann machst du das wieder.
Und wieder 🔁
Nach 20 oder 30 Spielern und Spielerinnen wirst du merken, dass du Fußball plötzlich anders schaust ⚽.
Live-Scouting, Video oder Daten?
Modernes Scouting findet längst nicht mehr nur auf der Tribüne statt.
Live-Scouting hilft dir beispielsweise dabei, Körpersprache, Kommunikation und Bewegungen abseits des Balles wahrzunehmen.
Beim Video-Scouting kannst du deutlich mehr Spieler und Spielerinnen sowie Ligen beobachten, ohne ständig durch Europa reisen zu müssen.
Und dann gibt es noch Data Scouting.
Dabei werden Statistiken genutzt, um aus Tausenden Spielern und Spielerinnen interessante Profile herauszufiltern. Anschließend schaut man sich diese genauer an.
Genau hier wird es interessant.
Stell dir vor, du suchst einen jungen offensiven Mittelfeldspieler oder eine junge offensive Mittelfeldspielerin. Anstatt Hunderte Spieler und Spielerinnen zufällig anzuschauen, kannst du zuerst anhand von Daten interessante Kandidaten und Kandidatinnen identifizieren.
Wie viele Chancen kreiert ein Spieler oder eine Spielerin? Wie stark ist das Passspiel? Wie häufig geht er oder sie ins Dribbling? Wie erfolgreich ist er oder sie dabei? Wie sieht das Zweikampfverhalten aus?
Auf scoutsland.live favorisierst du die Mittelfeldspieler, die relevant sind, und kannst Spielerstatistiken und Leistungsdaten anschauen und verschiedene Spielerprofile analysieren.
Die Zahlen geben dir aber nicht automatisch die Antwort.
Sie helfen dir dabei, die richtigen Fragen zu stellen.
Daten + eigene Beobachtung = deutlich besseres Scouting
Nehmen wir an, du beobachtest einen Flügelspieler oder eine Flügelspielerin und dein erster Eindruck lautet:
Extrem stark im Eins-gegen-Eins.
Jetzt kannst du dir anschließend die Daten anschauen.
- Wie viele Dribblings versucht er oder sie tatsächlich?
- Wie viele davon gewinnt er oder sie?
- Wie schneidet der Spieler oder die Spielerin im Vergleich zu anderen auf derselben Position ab?
Vielleicht bestätigt sich dein Eindruck.
Vielleicht zeigen die Zahlen aber auch etwas völlig anderes.
Genau diese Kombination aus eigener Beobachtung und Datenanalyse macht modernes Scouting so spannend.

Wie bekommt man seinen ersten Job als Scout?
Hier kommt der Teil, der meistens weniger sexy klingt:
Kontakte und praktische Erfahrung sind extrem wichtig.
Dein erster Schritt muss nicht Real Madrid sein.
Schau bei Vereinen in deiner Region. Nachwuchsleistungszentren, Amateurvereine, kleinere Profivereine oder Scouting-Dienstleister können interessante Einstiegsmöglichkeiten sein.
Erstelle parallel dein eigenes kleines Portfolio.
Wenn du einem Verein einfach schreibst:
„Hallo, ich möchte gerne Scout werden“,
ist das nett.
Spannender wird es, wenn du sagen kannst:
„Ich habe in den letzten drei Monaten 40 U19-Spieler und -Spielerinnen analysiert. Hier sind drei meiner Reports.“
Dann sieht jemand sofort, wie du Fußball bewertest.
Genau dafür kannst du beispielsweise regelmäßig Spieler und Spielerinnen auf scoutsland.live analysieren und eigene Scouting Reports erstellen. Mit der Zeit entsteht daraus eine Sammlung deiner Spielerbewertungen und Analysen.
Was macht einen guten Scout aus?
Nicht die Person, die die meisten Spieler und Spielerinnen kennt.
Und auch nicht unbedingt die Person, die die meisten Statistiken auswendig kann.
Ein guter Scout kann Informationen einordnen.
Ein Stürmer oder eine Stürmerin mit 20 Toren ist nicht automatisch ein guter Transfer. Vielleicht spielt die Person in einem völlig anderen System. Vielleicht bekommt sie außergewöhnlich viele Chancen. Vielleicht passen ihre Stärken überhaupt nicht zum suchenden Verein.
Genau hier beginnt echtes Scouting.
Du musst vom „Ist der Spieler oder die Spielerin gut?“ wegkommen und anfangen zu fragen:
- Warum ist er oder sie gut?
- Wo liegen die Grenzen?
- Wie könnte er oder sie sich entwickeln?
Und vor allem:
Passt der Spieler oder die Spielerin zu dem, was wir suchen?
Kann wirklich jeder Fußball Scout werden?
Grundsätzlich kannst du dir Scouting-Kompetenz selbst erarbeiten.
Der schwierigere Teil ist, daraus irgendwann einen Beruf zu machen.
Deshalb solltest du nicht darauf warten, dass dir jemand offiziell den Titel „Scout“ gibt.
Schau Spiele. Analysiere Spieler und Spielerinnen. Arbeite mit Daten. Schreib Reports. Vergleich deine Einschätzungen einige Monate später mit der tatsächlichen Entwicklung der Spieler und Spielerinnen.
Und wenn du direkt anfangen willst:
Such dir auf scoutsland.live einen Spieler oder eine Spielerin aus, analysiere die Statistiken und erstelle deinen ersten Scouting Report.
Denn Scouting lernst du am Ende nicht nur durchs Lesen.
Du lernst es vor allem, indem du selbst anfängst, Spieler und Spielerinnen zu beobachten und zu bewerten.
Und wer weiß: Vielleicht entdeckst du irgendwann tatsächlich einen Spieler oder eine Spielerin, den oder die ein halbes Jahr später plötzlich jeder kennt.